«

Händel's Utrechter Te Deum

Buchtitel

Dieses Buch erschien im August 2013 als Überarbeitung und Erweiterung der Dissertation, mit der Christian Bährens im November 2011 von der Universitiät von Bromberg zum Doktor der Musik promoviert wurde.

Es wendet sich an ein breites Publikum und ist eine Fundgrube für den Musikliebhaber, den Chorsänger, den Musikstudenten, den Dirigenten und den Wissenschaftler. Christian Bährens entführt den Leser in die Zeit Händels und beleuchtet alle interessanten Aspekte, die mit dem Werk und seiner Entstehung sowie der Musik und ihren interpretatorischen Möglichkeiten zusammenhängen. Seine Monographie verbindet Bekanntes mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, füllt eine Lücke in der Fachliteratur und ist für jeden Händel-Fan eine Bereicherung.

Rezensionen

Der Frieden von Utrecht, der den Spanischen Erbfolgekrieg beendete, war ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Doch nicht nur den Historikern ist das Ereignis, dessen 300. Jahrestag 2013 gefeiert wurde, im Bewusstsein geblieben. Auch Musikern und Musikologen ist dieses Datum präsent, denn für die Siegesfeiern in St. Paul's in London komponierte Georg Friedrich Händel sein erstes großes geistliches Werk in englischer Sprache: das Utrechter Te Deum und Jubilate. Es war zugleich sein erstes Auftragswerk für die englische Krone. Passend zur Dreihundertjahrfeier von Friedenschluss und Händeis Werk hat der Musiker und Musikwissenschaftler Christian Bährens eine ausführliche Monografie zum Utrechter Te Deum vorgelegt, die Druckfassung seiner Dissertation von 2011 an der Universität in Bydgoszcz (ehemals Bromberg) in Polen.

Bährens hat sich als Dirigent des Wilmersdorfer Kammerchors auch praktisch mit Händeis Partitur beschäftigt. Wie er im Vorwort zu Recht schreibt, ist das Werk bisher in der Händel-Literatur nicht allzu intensiv behandelt worden und auch Aufführungen in Kirche oder Konzertsaal sind bislang eher rar. Dieses Buch, das also eine Lücke in der Händel-Bibliografie füllt und Anregung zur vermehrten Beschäftigung mit dieser Musik sein sollte, ist mehr als eine akademische Abhandlung. Es ist eine ausführliche und in ganz verschiedene Richtungen gehende Auseinandersetzung mit Händeis Werk, dessen Hintergrund, Rezeption und Aufführungspraxis. Da der Autor dabei immer wieder grundlegende Sachverhalte klar und allgemeinverständlich aufgreift und erklärt, hilft das Buch auch dem interessierten Laien, sich ein Bild von Faktur und historisch informierter Wiedergabe spätbarocker Musik zu machen.

Christian Bährens hat sehr gründlich gearbeitet, hat viel Material und Literatur aufgearbeitet und verwendet. Er bringt neben der Analyse des Notentextes des Utrechter Te Deums auch Kapitel zu Händeis Wirken in England sowie zu dessen anderen und seiner Zeitgenossen Vertonungen des Gotteslobs. Sehr spannend ist der Teil zur Rezeptionsgeschichte, der u. a. einen Vergleich zwischen Händeis Original und der Bearbeitung von Johann Adam Hiller bringt.

Die Abschnitte zur Aufführungspraxis sind nicht nur für das Utrechter Te Deum, sondern auch für andere Werke Händeis oder ganz allgemein solche des frühen 18. Jahrhunderts relevant, sodass das Buch zur instruktiven Lektüre für alle mit barocker Musik beschäftigten Dirigenten, Kantoren, Sänger und Instrumentalisten wird. Schließlich ist der grafisch schön gestaltete Band auch ein wertvoller Beitrag zur Interpretationsgeschichte, weil der Autor sehr genau auf die bis dato erschienenen und greifbaren Einspielungen des Utrechter Te Deums eingeht.  

Karl Georg Berg in „Das Orchester“ (Januar 2014)

 

Dr. Christian Bährens’ Buch „Händels Utrechter Te Deum“ ist ein wichtiges Buch, nicht nur wegen der Tiefe und Gründlichkeit seiner wissenschaftlichen Untersuchungen, nicht nur wegen der besonderen Einsichten z.B. zu Händels Fugen, die für sich selbst beurteilt werden und nicht an Bach als Modell gemessen werden sollten, oder bezüglich Händels auch im Vergleich mit Purcell reichhaltiger, farbiger Harmonik. Insbesondere erkennt und belegt Bährens die Großartigkeit des sehr vernachlässigten Utrechter Te Deums, auch im Vergleich mit dem wesentlich bekannteren und dabei musikalisch weniger gehaltvollen Dettinger Te Deum. Das Buch hat mir Augen und Ohren geöffnet.

David Jaffin, Pfarrer, Schriftsteller und Musikkenner

 

Was unter dem schlicht anmutenden Titel "Händels Utrechter Te Deum" daherkommt, ist eine umfassende Darstellung zu Händels Zeit, Werdegang, Kompositionstechniken, Vorbildern und bietet darüber hinaus interessante Einblicke in die Aufführungsbedingungen und -Praxis der damaligen Zeit, die wiederum zu Fragestellungen für moderne Aufführungen alter Musik Anlass geben. Christian Bährens leistet, was zunächst unmöglich scheinen könnte: er spricht Musikwissenschaftler und interessierte Laien in gleicher Weise an und versteht es, beide mit seinem Thema zu fesseln. Auf einen ersten Teil, in dem eine historische Verortung des Utrechter Te Deums vorgenommen wird - mit biographischen sowie historischen Eckdaten (Spanischer Erbfolgekrieg und Friede von Utrecht) - wird der Hymnus selbst vorgestellt und in seiner liturgischen Bedeutung (sowie darüber hinaus) eingeordnet. Die akribische Werkanalyse des Utrechter Te Deum wird vor allem die Fachleute ansprechen. Für die interessierten Laien bieten die folgende Teile wieder leichtere Kost, wobei die fachliche Tiefe gewährleistet bleibt. Mögliche Inspirationsquellen Händels (Purcell, Croft) werden parallel gelesen, Bezüge hergestellt. Bährens stellt zudem Bezüge zu anderen Werken Händels dar, insbesondere zu den späteren Te-Deum-Vertonungen. Spannend zu lesen die Rezeptionsgeschichte, die Freiheiten, die sich spätere Herausgeber nahmen. Für den interessierten Laien und Chorsänger dürften die Kapitel zur historischen Aufführungspraxis ein wahres "Schmankerl" darstellen, wobei ein jeder Chorsänger für seine eigene Gesangspraxis reiche Früchte aus der Lektüre ziehen dürfte! Bährens schließt das Werk mit einem Vergleich von Audioaufnahmen ab und bewertet deren Unterschiede vor dem Hintergrund seiner Analyse - auch dies ein sehr spannender Teil, der dem Hörer Augen und Ohren öffnen wird! Abschließend sei positiv die stilistisch einwandfreie und auch optisch ansprechende Darbietung hervorzuheben!

Dr. Julia Mitko, Sprachwissenschaftlerin und Chorsängerin

 

Christian Bährens hat nach einer umfassenden Erweiterung und Aktualisierung seine Dissertation einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Welch ein Glück! Seine Arbeit über Händels Utrechter Te Deum ist ein Kleinod für jeden Musikliebhaber, eingeschlossen seien dabei explizit auch interessierte musikalische Laien. Sein verständlicher, lebendiger Erzählstil entführt die Leser in die Zeit, die Händel in England verbrachte. Ausgewählte Illustrationen vertiefen dieses Eintauchen in eine Zeit, in der noch zu jedem Sonntagsgottesdienst "frische" Musik komponiert wurde! Bährens' Analyse beschreibt die Konkurrenzsituation bei Hofe und die erstaunlichen Meriten, die sich der fremde deutsche Komponist in London dennoch verdienen konnte. Er ordnet den Friedensschluss von Utrecht, der die spanischen Erbfolgekriege endlich beendete und die Grundlage legte für unser heutiges Europa, in seinen historischen Zusammenhang ein. Und dann widmet sich Christian Bährens dem herrlichen Te Deum Händels, das er anlässlich dieses Friedensschlusses komponiert hatte. Unzählige handgezeichnete (!) Notenbeispiele machen dem Leser die Besonderheit des Werkes in spannenden Einzelheiten deutlich. Und er lernt noch mehr! Er erfährt nämlich, mit welcher Detailgenauigkeit ein Dirigent arbeiten muss, um all die in der Partitur versteckten musikalischen Besonderheiten hörbar zu machen. Indem Bährens anschliessend alle verfügbaren Aufnahmen einem Vergleich unterzieht und ihre Vorzüge und ihre Defizite - insbesondere im Zusammenhang mit moderner und historischer Aufführungspraxis - gegenüberstellt, schafft er die Grundlage für ein differenziertes Anforderungsprofil an Dirigenten, die ein solches Chor- und Orchesterwerk einstudieren wollen. So wird der Musikstudent die Checkliste dieses Buches in seinen nächsten Dirigierkurs mitnehmen wollen, der Laie aber beobachtet bei seinem nächsten Konzertbesuch den Dirigenten mit ganz anderen Augen - und mit deutlich gewachsener Wertschätzung!

Ulrike Sommer, Germanistin und Chorsängerin