ON THE UNBOUNDED MOOR - Twelve songs on poems by Emily Jane Brontë for low voice and piano

On the moors (painting by Kristan Baggaley)

Zum ersten Mal werden Gedichte von Emily Brontë in einem längeren Liederzyklus präsentiert. Das Werke entstand im Laufe der letzten zwei Jahre und ist noch unveröffentlicht.

URAUFFÜHRUNG 7. Juni 2026 in Berlin - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

-> Info: LIEDERABEND

Texte & Übersetzungen

ON THE UNBOUNDED MOOR - Emily Brontë

‘Tis evening now  

'Tis evening now, the sun descends
In golden glory down the sky;
The city's murmur softly blends
With zephyrs breathing gently by.
Es ist nun Abend und die Sonne versinkt am Himmel in goldener Pracht; die murmelnden Geräusche der Stadt vermischen sich sanft mit dem Atem des Westwinds.

And yet it seems a dreary morn,
A dark October morn to me,
And black the piles of rain-clouds born
Athwart heaven's stormy canopy.
Und doch wirkt es auf mich wie ein trüber Oktobermorgen, an dem sich schwarze Regenwolken auftürmen und einen stürmischen Himmel bedecken.

It was night  

It was night and on the mountains
Fathoms deep the snow drifts lay;
Streams and waterfalls and fountains
Down in darkness stole away.
Es war Nacht und auf den Bergen lagen meterhohe Schneewehen; Quellen, Bäche, Wasserfälle stahlen sich hinab in der Dunkelheit.

Long ago the hopeless peasant
Left his sheep all buried there,
Sheep that through the summer pleasant
He had watched with finest care.
Dort hat vor langer Zeit ein verzweifelter Hirte alle seine Schafe begraben, die er den schönen Sommer über mit größter Sorgfalt bewacht hatte.

Now no more a cheerful ranger,
Following pathways known of yore,
Sad he stood a wildeyed stranger
On his own unbounded moor.
Aber nun war er kein fröhlicher Wanderer mehr auf seinen vertrauten Pfaden, sondern stand wie ein verwirrter Fremder traurig in seinem grenzenlosen Moor.

O Dream

O Dream, where art thou now?
Long years have past away
Since last from off thine angel brow
I saw the light decay.
Oh Traum, wo bist du jetzt? Lange Jahre sind vergangen, seit ich das Licht von deiner Engelsstirn schwinden sah.

Alas, alas for me
Thou wert so bright and fair,
I could not think thy memory
Would yield me nought but care!
Ach, ach für mich warst du so hell und schön; ich konnte kaumglauben, dass die Erinnerung an dich mir nichts als Kummer bereiten würde!

The sun-beam and the storm,
The summer-eve divine,
The silent night of solemn calm,
The full moon’s cloudless shine,
Die Sonnenstrahlen und der Sturm, der göttliche Sommerabend, die stille Nacht mit ihrer  feierlichen Ruhe und des Vollmondes wolkenloser Glanz…

Were once entwined with thee.
But now, with weary pain,
Lost vision! ´tis enough for me –
Thou canst not shine again.
…waren einst mit dir verflochten. Aber jetzt, in ermüdendem Schmerz, bist du, mein Traum, eine verlorene Vision! Es ist genug für mich - du kannst nicht wieder leuchten.

The old stoic 

Riches I hold in light esteem,  
And Love I laugh to scorn; 
And lust of fame was but a dream   
That vanish'd with the morn.  
Reichtümer bedeuten mir wenig und die Liebe verlache ich spottend; das Verlangen nach Ruhm wäre nur ein Traum, der mit dem Morgen vergeht.

And if I pray, the only prayer   
That moves my lips for me 
Is, "Leave the heart that now I bear,   
And give me liberty!"  
Und wenn ich bete, lautet das einzige Gebet, das über meine Lippen kommt: „Verlasse das in mir pochende Herz und gib mir Freiheit!“

Yes, as my swift days near their goal,   
'T is all that I implore;
In life and death a chainless soul,   
With courage to endure.
Ja, nun da sich meine dahineilenden Tage ihrem Ziel nähern, ist alles, was ich erflehe, sie mit meiner in Leben und Tod ungefesselten Seele mutig zu ertragen.

I know not 

I know not how it falls on me,
This summer evening, hushed and lone;
Yet the faint wind comes soothingly
With something of an olden tone.
Ich weiss nicht was mir dieser einsame und gedämpfte Sommerabend bringen wird; doch matter Wind kommt lindernd mit einem altvertrauten Klang.

Forgive me if I’ve shunned so long
Your gentle greeting earth and air!
But sorrow withers even the strong,
And who can fight against despair?
Vergib mir, wenn ich deinen freundlichen Gruß an Himmel und Erde so lange gemieden habe! Aber der Kummer lässt selbst die Starken verwelken, und wer kann gegen Verzweiflung ankämpfen?

Mild the mist upon the hill 

Mild the mist upon the hill
Telling not of storms tomorrow,
No, the day has wept its fill,
Spent its store of silent sorrow.
Sanft umhüllen Dunstschleier den Hügel und künden noch nicht den morgigen Sturm, nein, der Tag hat genug geweint und seinen Vorrat an stillem Kummer verbraucht.

Oh, I’m gone back to the days of youth,
I am a child once more,
And ´neath my father’s sheltering roof
And near the old hall door
Oh, ich bin in die Tage meiner Jugend zurückgekehrt und wieder ein Kind, bin zurück unter dem schützenden väterlichen Dach und nahe der alten Flurtür.

I watch this cloudy evening fall
After a day of rain;
Blue mists, sweet mists of summer pall
The horizon’s mountain chain.
Ich betrachte die wolkige Abenddämmerung nach dem Regentag; die blauen und süßen Dunstschleier des Sommers umhüllen die Bergkette am Horizont. 

The damp stands in the long green grass
As thick as morning’s tears.
And dreamy scents of fragrance pass
That breathe of other years.
Feuchter Dampf steht im langen grünen Gras so dick wie die die Tränen des Morgens und träumerische Düfte bringen den Atem vergangener Jahre.

The night is darkening 

The night is darkening around me,
The wild winds coldly blow;
But a tyrant spell has bound me,
And I cannot, cannot go.
Um mich verdunkelt sich die Nacht und die wilden Winde wehen kalt, aber ich kann nicht vor ihnen fliehen – ein tyrannischer Bann hat mich gefesselt.

The giant trees are bending
Their bare boughs weighed with snow,
And the storm is fast descending,
And yet I cannot go.
Die riesigen Bäume biegen sich, ihre kahlen Äste sind mit Schnee beschwert und der Sturm naht schnell, doch kann ich nicht weichen.

Clouds beyond clouds above me,
Wastes beyond wastes below;
But nothing dear can move me;
I will not, cannot go.
Zahllose Wolken türmen sich über mir und weite Ödnis breitet sich darunter aus, aber nichts Liebenswertes kann mich vertreiben; ich kann und werde nicht gehen.

Fair sinks the summer 

Fair sinks the summer evening now
In softened glory round my home;
The sky upon its holy brow
Wears not a cloud that speaks of gloom.
Lieblich neigt sich der Sommerabend in besänftigtender Pracht rund um mein Heim; keine Wolke, die von Schwermut künden könnte, trübt des Himmels heilige Stirn.

The old tower, shrined in golden light,
Looks down on the descending sun –
So gently evening blends with night
You scarce can say that day is done –
In heiliges goldenes Licht getaucht, schaut der alte Turm herab auf die untergehende Sonne; so freundlich verschmelzen Abend und Nacht, dass man kaum des Tages Ende erkennen kann.

And this is just the joyous hour
When we were wont to burst away,
To ´scape from labour’s tyrant power
And cheerfully go out to play 
Und gerade in dieser freudevollen Stunde spüren wir das Verlangen davonzustürzen, der tyrannischen Macht von Anstrengungen und Mühen zu entfliehen und stattdessen fröhlich nach draußen zu gehen um zu spielen.

Then why is all so sad and lone?
No merry footstep on the stair,
No laugh, no heart-awaking tone
But voiceless silence everywhere. 
Warum ist alles so traurig und einsam? 
Warum denn ist alles so trautig und einsam? Warum erklingen auf der Treppe keine fröhlichen Schritte mehr? Kein Lachen, kein herzerweckender Klang – nur stumme Stille überall.

I’ve wandered round our garden-ground
And still it seemed at every turn
That I should greet approaching feet
And words upon the breezes borne
Ich ging in unserem Garten umher und es schien mir, als seien immer noch nahende Schritte zu begrüßen und vom Windhauch herbeigetragene Worte zu vernehmen.

In vain – they will not come today
And morning’s beam will rise as drear
But tell me – are they gone for aye
Our sun blinks through the mists of care?
Vergebliche Hoffnung – sie werden heute nicht kommen und die Morgenröte wird trostlos erstrahlen. Aber sage mir – sind sie für immer gegangen? Zwinkert nicht unsere Sonne durch der Sorge Nebel?

Ah no reproving hope doth say
Departed joys ´tis fond to mourn
When every storm that hides their ray
Prepares a more divine return
Ach nein, verkündet tadelnd die Hoffnung – es ist töricht vergangene Freuden zu beklagen, wo doch jeder Sturm, der die Strahlen der Freude verbirgt, bereits ihre göttliche Rückkehr vorbereitet. 

Fall leaves fall 

Fall, leaves, fall; die, flowers, away;
Lengthen night and shorten day!
Every leaf speaks bliss to me,
Fluttering from the autumn tree.                                                                                                                Fallt, ihr Blätter; verwelkt, ihr Blumen; verlängert die Nacht und verkürzt den Tag! Jedes vom Herbstbaum fallende Blatt verspricht mir Glückseligkeit.

I shall smile when wreaths of snow
Blossom where the rose should grow;
I shall sing when night’s decay
Ushers in a drearier day.                                                                                                                              Ich werde lächeln, wenn Kränze aus Schnee dort blühen, wo die Rose wachsen sollte; ich werde singen, wenn das Vergehen der Nacht in einen trüberen Tag hineinführt.

'Tis moonlight 

'Tis moonlight, summer moonlight,
All soft and still and fair;
The solemn hour of midnight
Breathes sweet thoughts everywhere,
Es strahlt das Sommermondlicht so sanft und still und schön; die feierliche Mitternachtsstunde atmet süße Gedanken überall, …

But most where trees are sending
Their breezy boughs on high,
Or stooping low are lending
A shelter from the sky.
… doch besonders dort, wo die  Bäume Ihre luftigen Zweige in die Höhe recken oder sie weit ausbreiten zum  Schutz vor dem Himmel.

And there in those wild bowers
A lovely form is laid;
Green grass and dew-steeped flowers
Wave gently round her head.
Und dort in diesen wilden Gärten finden sich anmutige Formen aus grünem Gras und taugetränkten Blumen, die sanft ihr Haupt hin und her wiegen.

Sympathy 

There should be no despair for you
While nightly stars are burning,
While evening  pours its silent dew
And sunshine gilds the morning.
Du solltest nicht verzweifeln, wenn die nächtlichen Sterne hell strahlen, wenn der Abend seinen stillen Tau verströmt und Sonnenschein den Morgen vergoldet.

There should be no despair – though tears
May flow down like a river;
Are not the best beloved of years
Around you heart for ever?
Du solltest nicht verzweifeln, mögen die Tränen in Strömen herabfließen; sind die meistgeliebten Jahre nicht für immer in deinem Herzen?

They weep, you weep, it must be so;
Winds sigh as you are sighing,
And winter sheds his grief in snow
Where autumn’s leaves are lying.
Sie weinen, du weinst, so muss es sein; die Winde seufzen dein Seufzen und der Winter schüttet seinen Kummer als Schnee auf die liegenden Herbstblätter.

Yet they revive, and from their fate
Your fate cannot be parted;
Then, journey onward, not elate,
But never broken-hearted!
Doch sie leben wieder auf, und ihr Schicksal ist mit deinem untrennbar verbunden; also gehe weiter - wenn nicht beschwingt, so doch nie mit gebrochenem Herzen!

Audios von der Uraufführung

  1. 1. 'Tis evening now - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  2. 2. It was night - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  3. 3. O dream - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  4. 4. The old stoic - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  5. 5. I know not - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  6. 6. Mild the mist - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  7. 7. It was night - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  8. 8. Fair sinks the summer evening - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  9. 9. Fall, leaves, fall - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  10. 10 - 'Tis moonlight - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  11. 11. Sympathy - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)

  12. 12 - I'm happiest now - Christian Bährens (Bariton) & Andreas Lisius (Klavier)